Mein Patient ist gehörlos
- Wo liegt das Problem?
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Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos. Es ist daher gut möglich, dass auch Sie in der Praxis oder im Krankenhaus einmal einen gehörlosen Patienten haben werden. Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass es in der Kommunikation zwischen Arzt und Pflegepersonal auf der einen und hörgeschädigten Patienten auf der anderen Seite sehr leicht zu Missverständnissen kommen kann.

"Ich war damals 13 Jahre alt und hatte immer wieder Halsschmerzen. Unser Hausarzt meinte, ich sollte ins Krankenhaus und mir die Mandeln rausnehmen lassen. Also fuhren mein Vater und ich eines Morgens in die Klinik."

Anscheinend ein ganz normaler Bericht aus jenen Zeiten, in denen die Extraktion der Rachenmandeln ein alltäglicher Eingriff war. Mit einem Unterschied: Das junge Mädchen und seine Eltern sind gehörlos. Ein Umstand, auf den Ärzte, Pfleger und helfendes Personal meist nicht eingestellt sind und mit dem sie häufig nicht so recht umzugehen wissen.

"Die Krankenschwester sagte, ich solle mich schon mal ausziehen. Aber ich wusste nicht, wieso. Es war doch noch helllichter Tag. Mein Vater wollte ihr erklären, dass wir gehörlos sind und sie bitte langsam und deutlich sprechen müsse, doch sie konnte ihn nicht verstehen. Also blieb ich erstmal angezogen.

Nach einiger Zeit musste mein Vater zur Arbeit. Er ging fort und ließ mich alleine zurück. Ich kam mir verlassen vor. Schließlich erschien wieder die Krankenschwester und machte mir klar, dass ich mich nun umziehen und ins Bett legen sollte. Das habe ich dann verstanden.

Am nächsten Tag brachte man mich in den Narkoseraum. Ein Arzt kam herein und sprach zu mir. Davon habe ich aber gar nichts mitbekommen, weil er einen Mundschutz trug. Dadurch war es mir unmöglich, von den Lippen abzulesen. Von der ganzen ungewohnten Situation war ich so eingeschüchtert, dass ich ihm auch nicht sagen konnte, dass ich gehörlos bin. Also nickte ich immer nur. Dann gab er mir eine Spritze, und ich schlief ein.

Jeden Vormittag versammelten sich eine Menge Ärzte um mein Bett herum. Sie redeten und redeten, aber es ging viel zu schnell, und ich bekam nur mit, dass alles in Ordnung sei. Dabei hatte ich eine Menge Fragen und hätte gerne genauer Bescheid gewusst. Wir war mulmig zumute, weil ich so wenig mitbekam. Zum Glück hatte meine Bettnachbarin aufgepasst und mir nach der Visite das Wichtigste aufgeschrieben. So wusste ich wenigstens, welche Medikamente sie mir verordnet hatten und wie ich die einnehmen sollte.

Mit den Krankenschwestern gab es auch Probleme. Wenn sie morgens zum Wecken in das Zimmer riefen, habe ich das natürlich nicht gemerkt. Vermutlich dachte die Krankenschwester, ich ignoriere sie einfach. Darum rüttelte sie mich immer heftig, sodass sie mich sehr unsanft aus dem Schlaf riss. Und einmal wurde ich heftig ausgeschimpft, weil ich länger als mir erlaubt war auf dem Balkon geblieben bin. Dabei hatte ich nicht einmal gewusst, wie lange ich draußen bleiben durfte."

Eine ganze Reihe von Missverständnissen, die zum Glück ohne ernsthafte Folgen geblieben sind. Doch es gibt auch Fälle, in denen die Kommunikationsschwierigkeiten zu schweren Komplikationen geführt haben. In denen Ärzte Fehldiagnosen stellten, Patienten ihre Medikamente falsch einnahmen oder operiert wurden, ohne vorher davon zu wissen.

Diese Seiten geben Ihnen wichtige Hinweise, worauf Sie bei der Kommunikation achten sollten. Damit Sie ein Gespräch mit Ihrem Patienten führen können und nicht unbeabsichtigt einen Vortrag über den Kopf Ihres Patienten hinweg halten.



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